Kaninchen füttern: Heu, Frischfutter und die richtigen Mengen

Kaninchen füttern: Kaninchen frisst Heu aus einer Holzraufe am Stall, daneben Grünfutter und Wassernapf auf einer Jutematte

Kaninchen füttern klingt einfach: Heu, ein bisschen Grünes, fertig. In der Praxis landen trotzdem viele Kaninchen mit Verdauungs- oder Zahnproblemen beim Tierarzt, weil die Mengen nicht stimmen. Meist ist zu viel Trockenfutter im Spiel und zu wenig Heu. Hier steht, was in welcher Menge in den Napf gehört und wie du den Futterplatz einrichtest, damit es dabei bleibt.

Die Zahl, an der sich alles ausrichtet

Kaninchen sind Dauerfresser. Ihr Verdauungstrakt ist darauf angewiesen, dass ständig faserreiches Futter nachkommt, und ihre Zähne wachsen ein Leben lang nach. Daraus ergibt sich die Grundregel der tiermedizinischen Fachliteratur:

  • Heu: immer, in unbegrenzter Menge, in guter Qualität
  • Frischfutter: zweimal täglich, zusammen etwa 150 bis 200 g pro Kilogramm Körpergewicht
  • Pellets oder Trockenfutter: höchstens ein Teelöffel pro Tier und Tag, und auch das nur bei besonderem Bedarf

Für ein Zwergkaninchen mit 2 kg heißt das: 300 bis 400 g Frischfutter am Tag, aufgeteilt auf morgens und abends, und eine Heuraufe, die nie leer ist. Vor allem die dritte Zeile überrascht viele, denn auf vielen Futtersäcken stehen deutlich größere Mengen. Trockenfutter ist energiereich und schnell gefressen. Es macht satt, ohne dass die Zähne lange mahlen müssen, und genau dieses lange Kauen auf Heu sorgt für den nötigen Zahnabrieb, wie Forschende der Universität Zürich betonen.

So stellst du den Speiseplan zusammen

Heu als Grundlage

Gutes Heu riecht aromatisch, ist grün bis graugrün und staubt kaum. Riecht es muffig oder siehst du Schimmel, kommt es weg. Biete Heu so an, dass es sauber und trocken bleibt: In der Einstreu wird es eingenässt und nicht mehr gefressen.

Frischfutter: vor allem Grünes

Mindestens zwei Drittel der Frischfutterration sollten aus strukturiertem Grünfutter bestehen: Wiesengras, Kräuter wie Löwenzahn, Spitzwegerich oder Petersilie, Blattsalate und Gemüsegrün wie Möhren- oder Kohlrabiblätter. Das restliche Drittel kann Gemüse sein, etwa Möhre, Fenchel, Gurke oder Paprika. Stärkereiche Sorten wie Pastinake oder Wurzelpetersilie gibt es nur in kleinen Mengen.

Obst und getrocknete Kräuter in Maßen

Obst ist eine Leckerei, kein Grundnahrungsmittel. Es sollte höchstens ein Viertel der Frischfutterration ausmachen und immer ganz frisch sein. Getrocknete Kräuter, Blüten und Blätter sind beliebt, enthalten aber viel Calcium und gehören deshalb nur in kleinen Mengen dazu. Zweige von Weide, Haselnuss oder Birke zum Nagen sind eine gute Beschäftigung.

Wasser, auch wenn viel Frisches gefüttert wird

Ein ausgewachsenes Kaninchen trinkt nach Angaben des Schweizer Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen etwa 0,25 Liter am Tag, an heißen Tagen und in der Säugezeit deutlich mehr. Die verbreitete Annahme, Frischfutter decke den Wasserbedarf, ist keine verlässliche Grundlage. Frisches Wasser gehört deshalb jeden Tag dazu, im Sommer mehrmals täglich nachgefüllt. Kaninchen trinken aus offenen Näpfen mehr und lieber als aus Nippeltränken, das hat die Universität Zürich in Versuchen gezeigt. Ein schwerer Tonnapf, leicht erhöht aufgestellt, kippt nicht um und bleibt sauberer.

Futterumstellung: langsam, eine Sorte nach der anderen

Der Kaninchendarm reagiert empfindlich auf plötzliche Wechsel. Die meisten Verdauungsprobleme entstehen nicht durch ein bestimmtes Futter, sondern durch zu viel Neues auf einmal.

  1. Mit dem bisherigen Futter starten. Neue Tiere bekommen in den ersten Tagen das, was sie beim Vorbesitzer gefressen haben.
  2. Eine neue Sorte zur Zeit. Füge immer nur ein neues Futtermittel hinzu, damit du siehst, wie es vertragen wird.
  3. Klein anfangen. Starte mit kleinen Mengen alle zwei bis drei Tage und steigere langsam.
  4. Im Frühjahr Gras anfüttern. Nach dem Winter ist frisches Gras für den Darm ungewohnt. Beginne mit einer Handvoll pro Tier und steigere die Menge langsam.
  5. Kot und Fressverhalten beobachten. Breiiger Kot ist ein Zeichen, die neue Sorte wieder zu reduzieren. Frisst ein Kaninchen gar nicht mehr, ist das immer ein Fall für den Tierarzt.

Was am Futterplatz den Unterschied macht

Die beste Futterzusammenstellung hilft wenig, wenn das Heu in der Einstreu landet oder die Raufe abends leer ist. Darauf kommt es an:

Eine Raufe, die für die ganze Gruppe reicht. Hänge die Heuraufe erhöht an die Stall- oder Gehegewand, damit das Heu trocken bleibt. Plane die Größe nach der Tierzahl: Die Heuraufe aus Massivholz Tanne gibt es in vier Formen. Die große Wandraufe mit 37 cm reicht für ein bis zwei Kaninchen etwa einen Tag, die kleineren Formen musst du mehrmals täglich nachfüllen. Bei drei oder vier Tieren lohnt die größere Raufe, oder du hängst zwei Raufen an verschiedene Stellen, damit sich niemand verdrängt fühlt.

Heuraufe für Kaninchen XL 44 x 33 x 33 cm aus Massivholz Tanne Heuraufe für Kaninchen XL 44 x 33 x 33 cm Fasst genug Heu für 2 bis 4 Kaninchen etwa einen Tag, aus unbehandeltem Tannenholz, das angenagt werden darf. Zum Produkt →

Trockenfutter bewusst portionieren. Wenn du Pellets fütterst, etwa für Jungtiere im Wachstum oder säugende Häsinnen nach Absprache mit dem Tierarzt, dann abgemessen. Ein kleiner Futterspender, den du täglich mit der Tagesration befüllst, ist dafür die ehrlichere Lösung als ein großer Vorratsbehälter. Der Futterspender mit 1 oder 1,5 kg wird ins Gitter gehängt und hält das Futter sauber, auch wenn du nur eine kleine Menge einfüllst.

Futterspender Kaninchen 1 kg aus Stahl zum Einhängen ins Gitter Futterspender Kaninchen 1 oder 1,5 kg Wird ins Gitter gehängt, ist nagefest und eignet sich gut, um die Tagesration abgemessen anzubieten. Zum Produkt →

Große Automaten nur mit Plan. Ein Futterautomat mit 6 kg lohnt sich bei größeren Gruppen, in denen mehrere Tiere einen erhöhten Bedarf haben. Er macht Trockenfutter aber dauerhaft verfügbar, und genau das soll es für die meisten Hauskaninchen nicht sein. Füll ihn deshalb nicht bis oben voll, sondern nur mit der Menge, die tatsächlich gefressen werden darf.

Ein trockener Boden rund um die Futterstelle. Unter Raufe und Napf fällt Futter herunter, und dort wird es feucht. Eine Nagermatte aus Jute mit 1 x 5 m bindet Feuchtigkeit, darf angeknabbert werden und lässt sich zuschneiden und austauschen, sobald sie verschmutzt ist.

Was du beachten solltest

  • Giftpflanzen kennen. Die Bundestierärztekammer nennt unter anderem Efeu, Eibe, Mistel, Buchsbaum, Oleander, Rhododendron, Maiglöckchen und Wolfsmilch als giftig für Kaninchen. Auch Kastanien und Eicheln gehören nicht in den Napf. Sammle Grünfutter nur, wenn du die Pflanze sicher erkennst.
  • Kein verdorbenes Futter. Welkes, angeschimmeltes oder gegorenes Futter löst Verdauungsprobleme aus. Rasenschnitt aus dem Mäher erwärmt sich schnell und beginnt zu gären, daher besser frisch gepflücktes Gras füttern.
  • Heu hat Vorrang vor allem anderen. Wenn Kaninchen nicht genug Rohfaser bekommen, fressen sie mitunter instinktiv an Pflanzen, die ihnen schaden. Eine volle Raufe ist der beste Schutz.
  • Gewicht im Blick behalten. Einmal im Monat wiegen zeigt früh, ob die Mengen passen. Übergewicht entsteht meist über Trockenfutter und Leckerlis.
  • Auch im Winter frisch füttern. Draußen gehaltene Kaninchen brauchen weiter Frischfutter. Gefrorenes Futter und eingefrorenes Wasser musst du mehrmals täglich ersetzen. Mehr dazu steht in Kaninchen draußen halten.

Häufige Fragen

Brauchen Kaninchen Trockenfutter?

Gesunde ausgewachsene Hauskaninchen brauchen es nicht, wenn sie unbegrenzt Heu und ausreichend Frischfutter bekommen. Tierärztlich empfohlen wird höchstens ein Teelöffel pro Tier und Tag, und das nur bei besonderem Bedarf.

Wie oft am Tag sollte ich füttern?

Heu steht rund um die Uhr bereit. Frischfutter gibst du zweimal täglich, morgens und abends, und räumst Reste nach einigen Stunden wieder ab.

Wie viel Wasser trinkt ein Kaninchen?

Ein ausgewachsenes Tier trinkt etwa 0,25 Liter am Tag, bei Hitze und in der Säugezeit deutlich mehr. Frisches Wasser muss deshalb jederzeit verfügbar sein, auch wenn viel Grünfutter gefüttert wird.

Dürfen Kaninchen Obst essen?

Ja, in kleinen Mengen und ganz frisch. Obst sollte höchstens ein Viertel der Frischfutterration ausmachen, weil es viel Zucker enthält.

Napf oder Nippeltränke?

Kaninchen trinken aus offenen Näpfen mehr und lieber. Ein schwerer Tonnapf kippt nicht um. Nippeltränken verschmutzen weniger, müssen aber regelmäßig auf Funktion und Algen geprüft werden.

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