Voliere selber bauen: Planung, Material und Anleitung

Voliere selber bauen: Volierendraht wird auf einen Holzrahmen aus Lärche getackert

Eine Voliere selber bauen reizt viele Halter: Die Maße passen genau zum Garten, das Schutzhaus lässt sich gleich mit einplanen, und am Ende steht etwas Eigenes. Gleichzeitig ist der Bau einer Voliere aufwändiger, als die meisten Anleitungen vermuten lassen. Hier liest du, wann sich der Selbstbau lohnt, welches Material du brauchst und wie du Schritt für Schritt vorgehst.

Selbst bauen oder Bausatz: die ehrliche Abwägung

Selbst bauen Fertige Voliere als Bausatz
Maße frei, auch L-Form, Nische oder Hanglage feste Rastergrößen
Schutzhaus direkt integrierbar muss angebaut werden
Zeit mehrere Wochenenden ein halber bis ganzer Tag
Werkzeug Säge, Bohrmaschine, Tacker, Drahtschere, Wasserwaage Akkuschrauber, Leiter
Pflege Holz braucht regelmäßig Schutz verzinkter Stahl oder Alu weitgehend wartungsfrei

Selbst bauen lohnt sich vor allem bei Sondermaßen, wenn ein Schutzraum von Anfang an Teil der Anlage sein soll oder wenn du Holz und Werkzeug ohnehin hast. Bei Standardgrößen ist ein Bausatz meist schneller und selten teurer.

Planung: Größe, Standort und Genehmigung

Größe: Das Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums nennt für ein Paar Wellensittiche 100 x 50 x 50 cm, für Nymphensittiche 200 x 100 x 100 cm, jeweils mit täglichem Freiflug. Für eine Außenvoliere ohne Freiflug plane deutlich mehr ein, und vor allem Länge: Vögel fliegen waagerecht.

Standort: eine geschlossene Wand oder Hecke an der Wetterseite, Morgensonne und Schatten am Nachmittag, kein Standort in einer Senke, in der sich Nässe sammelt.

Genehmigung: Ob eine Voliere genehmigungsfrei ist, regelt die Bauordnung deines Bundeslands. Größe, Fundament und Abstand zur Grundstücksgrenze spielen eine Rolle. Eine kurze Nachfrage beim Bauamt klärt das vor dem ersten Spatenstich.

Material: Holz, Draht und Dach

Holz: Kanthölzer aus Douglasie oder Lärche sind von Natur aus witterungsbeständig. Verwende nur tierverträgliche Holzschutzmittel und lass sie vollständig aushärten, bevor die Vögel einziehen. Kesseldruckimprägniertes Holz gehört nicht in Schnabelreichweite.

Draht: Für Wellensittiche und Kanarien ist eine Maschenweite von 12,7 x 12,7 mm üblich, für größere Sittiche größere Maschen mit dickerem Draht. Am sichersten ist Edelstahldraht. Feuerverzinkter Draht ist günstiger, sollte aber keine Zinkreste, sogenannte Zinknasen, haben. Neuen verzinkten Draht vor dem Einzug mit Essigwasser abzureiben, beschleunigt die Oxidation der Oberfläche und senkt das Risiko einer Zinkvergiftung.

Dach: Mindestens ein Drittel dicht, etwa mit Doppelstegplatten, Wellplatten oder Trapezblech, und mit leichtem Gefälle. Der Rest bleibt Gitter, damit Regen und Licht hineinkommen.

Kleinteile: Schrauben und Tackerklammern aus Edelstahl, Scharniere und zwei Riegel pro Tür.

Voliere bauen: Schritt für Schritt

  1. Fundament setzen. Punktfundamente für die Pfosten oder ein umlaufendes Streifenfundament. Leg die Fläche zuvor exakt im Winkel aus.
  2. Bodenschutz einbauen. Engmaschiges Gitter unter dem gesamten Boden oder ein 30 bis 40 cm tief eingegrabener Gitterstreifen am Rand hält Ratten fern.
  3. Rahmen aufbauen. Bodenrahmen, Eckpfosten und oberer Rahmen. Bei längeren Seiten Zwischenpfosten im Abstand von rund einem Meter, damit sich der Draht spannen lässt.
  4. Dachkonstruktion. Sparren mit Gefälle von der Voliere weg, darauf den dichten Dachteil.
  5. Tür und Schleuse. Eine Tür in voller Höhe erleichtert dir die Arbeit. Ein kleiner Vorraum mit zweiter Tür, die sogenannte Schleuse, verhindert, dass beim Betreten Vögel entwischen.
  6. Draht anbringen. Von innen auf die Pfosten tackern und mit Leisten abdecken. So kommen die Vögel nicht ans Holz, und keine Drahtenden ragen nach innen.
  7. Schutzraum einplanen. Für die Ganzjahreshaltung brauchst du einen gedämmten, frostfreien Bereich. Wie der aussehen muss, steht im Ratgeber Voliere mit Schutzhaus.
  8. Einrichten. Naturäste in verschiedenen Durchmessern, Futter- und Wasserstellen unter dem dichten Dach, Badeschale, Sand oder Rindenmulch als Boden.

Fertige Voliere als Basis

Viele Halter kombinieren: Sie stellen eine fertige Voliere als Flugraum auf und bauen nur das Schutzhaus und die Schleuse selbst. Das spart den aufwändigsten Teil, den Rahmen mit Draht, und lässt trotzdem Raum für eigene Lösungen.

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Wer sehr viel Fläche will, startet mit der Voliere XXL mit 17 m² und baut eine Ecke als Schutzraum aus. Für den Einstieg reicht die Voliere 211 cm hoch. Ehrlich gesagt: Eine Schleuse hat keine dieser Volieren, die baust du bei Bedarf selbst davor. Und auch bei fertigen Volieren aus verzinktem Stahl lohnt es sich, die Gitter vor dem Einzug mit Essigwasser abzuwischen.

Was du außerdem beachten solltest

  • Keine scharfen Kanten. Abgeschnittene Drahtenden umbiegen oder abdecken, Schraubenspitzen dürfen nirgends herausragen.
  • Holzschutz aushärten lassen. Zwischen letztem Anstrich und Einzug sollten einige Tage liegen.
  • Nicht überdimensionieren ohne Plan. Eine riesige Voliere ohne Deckung und Schutzraum ist schlechter als eine mittlere mit gut durchdachter Einrichtung.
  • Erweiterung vorsehen. Wer später anbauen will, plant das Raster der Pfosten schon jetzt so, dass eine weitere Feldlänge passt.

Häufige Fragen

Welches Holz eignet sich für eine Voliere?

Douglasie und Lärche sind von Natur aus witterungsbeständig. Fichte geht auch, braucht aber konsequenten, tierverträglichen Holzschutz.

Ist verzinkter Draht gefährlich für Vögel?

Das Risiko geht vor allem von neuem Draht mit Zinkresten aus. Draht ohne Zinknasen wählen, vor dem Einzug mit Essigwasser abreiben und regelmäßig kontrollieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt Edelstahl.

Wie lange dauert der Bau einer Voliere?

Für eine Holzvoliere mit rund 4 m² rechnen Selbstbauer meist mit zwei bis drei Wochenenden, mit Schutzhaus länger. Ein Bausatz steht an einem Tag.

Brauche ich eine Schleuse?

Nicht zwingend, aber sie verhindert zuverlässig, dass Vögel beim Betreten entwischen. Bei großen Gruppen ist sie sehr zu empfehlen.

Fertige Volieren, die du als Grundgerüst nutzen kannst, findest du unter Voliere begehbar. Wie du die fertige Voliere einrichtest und bepflanzt, steht im Beitrag Volierenhaltung.

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