Wellensittiche draußen halten klingt erst einmal gewagt, ist aber für viele Vögel die beste Haltungsform: mehr Platz, Tageslicht, frische Luft und echte Flugstrecken. Wellensittiche stammen aus dem trockenen Inland Australiens und sind robuster, als ihr Ruf vermuten lässt. Damit das gut geht, brauchst du drei Dinge: eine passende Außenvoliere, einen frostfreien Schutzraum und eine Eingewöhnung zur richtigen Jahreszeit.
Die wichtigste Regel: Eingewöhnen im Frühjahr, nicht im Herbst
Der häufigste Fehler ist der Umzug zur falschen Zeit. Ein Wellensittich, der sein Leben in der warmen Wohnung verbracht hat und im Oktober in die Außenvoliere zieht, hat keine Chance, sich an sinkende Temperaturen anzupassen. Erfahrene Halter lassen ihre Vögel erst ausziehen, wenn auch die Nächte mild sind, und geben ihnen dann den ganzen Sommer und Herbst zur Gewöhnung.
Wenn du jetzt im Herbst planst, ist das also genau richtig: Voliere und Schutzhaus bauen, den Winter abwarten und im nächsten Frühjahr umziehen.
Was die Außenvoliere braucht
| Größe | Das Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums nennt 100 x 50 x 50 cm pro Paar, allerdings mit täglichem Freiflug. Für eine Außenvoliere ohne Freiflug empfehlen wir mindestens 1 m² pro Paar, besser deutlich mehr. Je länger, desto besser. |
| Schutzraum | Geschlossen, trocken, zugfrei und frostfrei, besser ab 5 °C. Ohne Schutzraum ist keine Ganzjahreshaltung möglich. |
| Teildach | Mindestens ein Drittel des Daches dicht, als Regen- und Sonnenschutz. |
| Windschutz | Eine geschlossene Rückwand oder Hecke an der Wetterseite. |
| Maschenweite | Höchstens 12,7 mm, damit kein Kopf durchpasst und keine Mäuse hineinkommen. |
| Bodenschutz | Eingegrabenes Gitter oder Fundament gegen Ratten. |
Wie du den Schutzraum baust und an die Voliere anschließt, steht ausführlich im Ratgeber Voliere mit Schutzhaus.
Eingewöhnung Schritt für Schritt
- Startzeitpunkt wählen. Spätes Frühjahr, wenn auch die Nächte mild bleiben. Viele Halter warten, bis die Nachttemperaturen stabil im zweistelligen Bereich liegen.
- Gesundheit prüfen. Nur gesunde, normalgewichtige Vögel ziehen um. Ein kurzer Check beim vogelkundigen Tierarzt vorher ist sinnvoll.
- Stundenweise beginnen. Die ersten Tage nur tagsüber draußen, abends zurück ins Haus oder gleich in den Schutzraum.
- Schutzraum vertraut machen. Füttere anfangs im Schutzraum. So lernen die Vögel, dass dort ihr sicherer Platz ist, und suchen ihn bei Regen und Kälte von selbst auf.
- Dauerhaft draußen bleiben. Nach zwei bis drei Wochen bleiben die Vögel Tag und Nacht draußen und machen die Abkühlung im Herbst langsam mit.
- Beobachten. Ein Vogel, der dauerhaft aufgeplustert sitzt, viel schläft oder abnimmt, gehört sofort ins Warme und zum Tierarzt.
Wellensittiche im Winter draußen
Eingewöhnte Wellensittiche verbringen auch Wintertage in der Außenvoliere, solange sie jederzeit in den Schutzraum können. Entscheidend sind Trockenheit und Zugfreiheit, nicht Hitze. Ein Frostwächter mit Thermostat hält den Raum und das Trinkwasser frostfrei. Zu große Temperaturunterschiede zwischen Schutzraum und Voliere solltest du vermeiden, ein beheizter Raum mit 20 °C ist kontraproduktiv.
Achte im Winter besonders auf frisches, nicht gefrorenes Wasser, ausreichend Futter und Licht im Schutzraum. Gerade an kurzen Wintertagen hilft eine Lampe mit Zeitschaltuhr, damit die Vögel genug Zeit zum Fressen haben.
Welche Vögel eignen sich noch für die Außenhaltung?
Nymphensittiche gelten wie Wellensittiche als robust, wenn sie eingewöhnt sind und einen frostfreien Schutzraum haben. Sie brauchen aber mehr Platz, das Gutachten nennt 200 x 100 x 100 cm pro Paar.
Prachtfinken wie Zebrafinken sind tropische Arten. Für sie sieht das Gutachten zur Haltung von Kleinvögeln einen Schutzraum vor, der auch im Winter nicht unter 10 °C fällt. Das ist ohne richtige Heizung kaum zu schaffen.
Welche Voliere passt für Wellensittiche draußen?
Für die Ganzjahreshaltung lohnt sich eine Voliere, die lang ist und in die du hineingehen kannst. Gut geeignet ist die Alu-Voliere in Längen von 1 bis 10 m: Aluminium rostet nicht, und an einer Stirnseite lässt sich ein Schutzhaus ansetzen.
Alu-Voliere 179 cm breit – 1 bis 10 m lang
Lange Flugstrecke, rostfrei und begehbar – die Länge ist es, die Wellensittichen draußen am meisten bringt.
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Wer weniger Platz hat, nimmt die Voliere mit 211 cm Höhe ab 4,6 m². Für reine Sommerhaltung mit Freiflug im Haus reicht auch die Vogelvoliere 181 cm. Ehrlich gesagt: Keine dieser Volieren bringt einen Schutzraum mit, den musst du für die Ganzjahreshaltung ergänzen.
Häufige Fragen
Können Wellensittiche ohne Schutzhaus draußen überwintern?
Nein. Ohne trockenen, frostfreien Schutzraum gehören Wellensittiche ab den ersten Frostnächten ins Haus.
Wie viele Wellensittiche sollte ich draußen halten?
Mindestens zwei, besser eine kleine Gruppe. Wellensittiche sind Schwarmvögel, eine Gruppe wärmt sich nachts auch gegenseitig. Für jedes weitere Paar sollte die Grundfläche um die Hälfte wachsen.
Kann ich Wellensittiche im Winter wieder ins Haus holen?
Möglich, aber belastend, weil der Temperatursprung groß ist. Wenn du die Vögel im Winter drinnen haben möchtest, ist reine Sommerhaltung von Mai bis September die bessere Wahl.
Wie erkenne ich, dass einem Wellensittich zu kalt ist?
Er sitzt lange aufgeplustert, oft auf beiden Beinen, schläft tagsüber viel und frisst weniger. Dann gehört er sofort ins Warme und zum Tierarzt.
Volieren, die für die Ganzjahreshaltung groß genug sind, findest du unter Voliere begehbar. Wie du die Voliere einrichtest und bepflanzt, steht im Beitrag Volierenhaltung.